Die Stadt der Träumenden Bücher

»In der Tür des Hauses […] lehnte eine Haifischmade. Ich hatte schon ein paar Vertreter dieser Daseinsform in Buchhaim gesehen, aber das hier war ein besonders beeindruckendes Exemplar. Der Madenkörper wirkte grotesk, mit seinen vierzehn dürren Ärmchen und dem halslosen Kopf mit Haifischgebiß. Die Kuriosität der Erscheinung wurde auch nicht durch die Tatsache gemildert, daß…

Über meine Weihnachtslektüre und bibliophile Adventskalender

Na was ist denn hier los? Gleich zwei (ZWEI!) Blogbeiträge in einer Woche? Jetzt dreht sie völlig am Rad. Doch keine Angst, meine Leseflaute hege und pflege, kraule und füttre ich auch weiterhin. Die Schuld für diese unrühmliche Situation ist keinesfalls bei mir zu suchen, nein. Es war die Heimtücke des Dezembers, der sich diabolisch…

Wovon wir träumten

»Am Anfang wunderten wir uns ununterbrochen über sie. Warum bestiegen sie ihre Pferde von links und nicht von rechts? Wie konnten sie sich gegenseitig auseinanderhalten? Warum schrien sie immer? Konnte es wahr sein, dass sie Geschirr an ihre Wände hängten und keine Bilder? Und an allen Türen Schlösser hatten? Und ihre Schuhe im Haus nicht…

Doktor Murkes gesammeltes Schweigen und andere Satiren

Ach ja, schon nach dem ersten Satz (der hier aufgrund seiner beachtlichen Länge nicht zitiert werden soll; nur so viel: es geht um Paternosteraufzüge) war es um mich geschehen. Und die Freude sollte anhalten, denn alle fünf in diesem Büchlein versammelten Kurzgeschichten bzw. Erzählungen von Heinrich Böll wussten mich durch ihren köstlichen Humor und Wahnwitz…

Das Schreckgespenst

Bücher wandern von Stapel zu Stapel. Keins gut genug. Abgebrochen. Abgebrochen. Abgebrochen. Dann lieber das Regal neu ordnen. Diesmal nach Autoren. Nicht schön. Also zurück zu den Farben. Noch immer kein Buch gefunden. Neue gekauft. Nichts. Alte gekauft. Auch nichts. Dann Netflix. Und was ist mit dem Blog? Kurzum: Die Leseflaute hat mich fest im…

Trauer ist das Ding mit Federn

Kurz nach dem Tod der Mutter klingelt es an der Tür und die riesige, stinkende Krähe dahinter verkündet, dass sie so lange bleiben wird, bis die trauernde Familie sie nicht mehr braucht. Fortan sorgt der ungebetene Gast mit seinem ruppigen Charakter und zweifelhaften Weisheiten für Ablenkung und hilft dem zurückgelassenen Ehemann und seinen Söhnen dabei,…

Warum Katzen malen. Eine Theorie der Katzenästhetik

Zahlreiche Darstellungen von malenden Katzen auf Papyri beweisen, dass schon die alten Ägypter sich der Katzenkunst bewusst waren. Während die Zeichnungen zu jener Zeit noch als göttliches Medium angesehen wurden, fielen später hunderte Katzen den Hexenverfolgungen zum Opfer, sodass das Bewusstsein um diese Kunst  nahezu verschwand. Erst eine im Jahr 1978 ausgestrahlte russische Fernsehsendung über eine…

Der Himmel ist blau, die Erde ist weiß

»Ganz schwach nur, aber sie lebt noch!« »Ich fürchte, früher oder später werden sie doch alle tot sein…« »Sie vollenden ihre Leben in Ihrem Schrank.« »Ja, das tun sie. So kann man das wohl sagen. «  (S.30) Batterien leben. Und Batterien sterben. Ein interessanter Gedanke. Vor allem aus erzählerischer Sicht, stellt dieser sonderbare Dialog doch…

Abtrünniges Blut

Liebe Menschen da draußen, es ist etwas geschehen. Etwas, das ich nicht hatte kommen sehen. Etwas Ungeheuerliches. Eine Premiere in vielerlei Hinsicht. Ich habe einen Thriller gelesen. Und er hat mir gefallen.   (Denkt euch die Pauken und Trompeten an dieser Stelle.)   Doch das Skandalöse daran ist nicht, dass mir zuvor nie ein Thriller/Krimi…

Guten Morgen, du Schöne & He, du Glückliche!

»Seelisch bin ich eigentlich reif für den Strich.« (S.73) stellt Ruth, 22, Serviererin und Mutter im 1977 veröffentlichten und in der DDR sehr erfolgreichen dokumentarischen Werk »Guten Morgen, du Schöne« fest. Sie ist alleinerziehend, will keinen Mann an ihrer Seite außer zum Sex und hat einen seelischen Knacks, wie sie selbst sagt. Ruth ist wütend, verzweifelt,…