Das pathologische Leiden der Bella Jolie

Der Titel erinnerte mich an »Die gepflegten Neurosen der Mademoiselle Claire« von Sophie Bassignac, einen Roman, den ich vor einigen Jahren als Mängelexemplar erwarb und dessen ruhige, in sich gekehrte Geschichte und betäubte Stimmung bis heute eine sonderbare Faszination auf mich ausüben. Natürlich kann man von einer Titelverwandtschaft schwerlich auf eine ähnliche Wirkung schließen, zumal…

Gehen

Heute vor 30 Jahren starb einer der bedeutendsten Literaten des vergangenen Jahrhunderts und zugleich eine der polarisierensten Persönlichkeiten Österreichs: Thomas Bernhard. Meiner tiefen Verehrung ihm und seinem Gesamtwerk gegenüber wegen kann ich nicht umhin, euch aus gegebenem Anlass kurz eines meiner liebsten Bücher vorzustellen. »Auch Karrer ist es nicht geglückt, was noch keinem Menschen geglückt…

Metrofolklore

»Neid macht hässlich, egal wie eng die Bluse anliegt.« S.83 Gelangweilte und notgeile Archäologiestudentin wirbt um göttliche Erscheinung namens Helene, die nicht nur kein Interesse an Frauen zeigt, sondern auch noch was mit dem Dekan des Instituts am Laufen hat. Ein Eroberungs-Plan muss her: Was liegt näher, als sich mit Hilfe von Ovid an die…

Georgiens Geschichte in 33 Objekten

»Es war 1969, die Saison der Feldarbeiten ging ihrem Ende zu. Plötzlich brach ein starker Wind los. Das gilt bei Archäologen als ein bewährtes Zeichen für neue Entdeckungen. Und tatsächlich, man stieß auf eine von Erde überschüttete Grabstätte, von der man annahm, sie sei geplündert, da man einen von Dieben in antiker Zeit ausgehobenen Schurf…

The Huntress

Zugegeben, dem düster-blutigen Cover und mysteriösen Klappentext (der da lautet: „Sie jagt ohne Gnade. Sie ist böser als die bösen Jungs. Sie ist the Huntress.“) nach zu schließen, hatte ich eher mit einer Dark Fantasy-Story gerechnet, als mit einer Detektiv-Geschichte, aber hey, ich will mich nicht beklagen. Denn „The Huntress“ vermochte es durchaus öfter als…

Der Kirschbaum meines Feindes

Dieses Buch entdeckte ich vor einigen Monaten in einer Bahnhofsbuchhandlung und nahm es spontan mit. Das geschieht wahrlich nicht oft, vielleicht zweimal im Jahr (Antiquariatsbesuche einmal ausgenommen), da ich mir des Geldes wegen gern vor Kauf einen Überblick über die Rezeption eines Titels verschaffe. In diesem Fall verzichtete ich darauf, weil der Klappentext sofort überzeugte.…

Brodecks Bericht

»Die Masse ist ein riesiger fester Leib, geformt aus tausenden vernunftbegabter Wesen. Es gibt keine glückliche und friedliche Masse. Hinter dem Lachen und der Musik gerät das Blut in Wallung. Ich habe sie am Werk gesehen, die Menschen, wenn sie die Gewissheit haben, nicht allein zu sein…« S.202 Als der Außenseiter Brodeck eines Abends auf…

Lockwood & Co.

Nachdem ich zuletzt mit Walter Moers feststellte, dass meine aktuelle Lesestimmung nach Fantasy verlangt, erlag ich in der vergangenen Woche einer Sucht. Die Verwendung dieses Begriffes mag zunächst etwas übertrieben erscheinen, doch ich fühlte unleugbar einen gewissen Sog, der mich ruhelos und unleidlich zurückließ, wenn ich dann doch mal in der Uni zu erscheinen oder…

Die Stadt der Träumenden Bücher

»In der Tür des Hauses […] lehnte eine Haifischmade. Ich hatte schon ein paar Vertreter dieser Daseinsform in Buchhaim gesehen, aber das hier war ein besonders beeindruckendes Exemplar. Der Madenkörper wirkte grotesk, mit seinen vierzehn dürren Ärmchen und dem halslosen Kopf mit Haifischgebiß. Die Kuriosität der Erscheinung wurde auch nicht durch die Tatsache gemildert, daß…

Über meine Weihnachtslektüre und bibliophile Adventskalender

Na was ist denn hier los? Gleich zwei (ZWEI!) Blogbeiträge in einer Woche? Jetzt dreht sie völlig am Rad. Doch keine Angst, meine Leseflaute hege und pflege, kraule und füttre ich auch weiterhin. Die Schuld für diese unrühmliche Situation ist keinesfalls bei mir zu suchen, nein. Es war die Heimtücke des Dezembers, der sich diabolisch…