Die Champagnerkönigin

1898: Von der Liebe getrieben entfloh Isabelle mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Leon dem goldenen Vogelkäfig ihres Elternhauses und fristet nun ein unbefriedigendes Dasein im Heim ihrer mürrischen Schwiegereltern. Als ihr Mann überraschend ein Weingut in der Champagne erbt, sieht sie ihre Chance gekommen und stürzt sich in ein Abenteuer, das sie für immer verändern wird…

 

»Die Champagnerkönigin« folgt einem grundsoliden Aufbau, offeriert einen bunten Strauß an Figuren und Antagonisten sowie eine zarte Liebesgeschichte, die jedoch keinesfalls im Vordergrund anzusiedeln ist. Unsere Protagonistin Isabelle Feiniger ist ein glaubhaft entwickelter Charakter, der mir (trotz manch anstrengender Momente) nie vollkommen unsympathisch erschien, da ich Isabelles Verhalten durchaus nachvollziehen konnte. Tatsächlich fühlte ich selbst mich schon beinahe ungerecht behandelt, als eine Dorfbewohnerin Isabelles früheres Ich als verwöhnte Städterin bezeichnete, weil sie sich durchaus Mühe gegeben hatte, Anschluss zu finden. In diesem Zusammenhang überkam mich häufig das Gefühl, dass mir die Existenz einer Charakterentwicklung durch Aussagen anderer Figuren »aufgedrückt« wurde, wenngleich fest steht, dass sich Isabelles Denken am Ende des Buches durchaus von seinem Beginn unterscheidet, erwachsener wirkt. Lediglich die betonten Ausmaße wage ich zu bezweifeln. Anders als Isabelle konnte ich ihrem Mann Leon kaum etwas abgewinnen – was wohl auch so gewollt ist. Das einzige, für das er sich interessierte, war Radfahren (ich sage nur: Patrick aus »Ein ganzes halbes Jahr«); von Liebe zu Isabelle (die vollkommen in ihn vernarrt war) spürte ich hingegen kaum etwas. Er war keineswegs gewalttätig oder ähnliches, es war vielmehr seine (wohl zeitgemäße) Auffassung von der Rolle der Frau als derjenigen, die den Haushalt zu organisieren und gut in Bett zu sein hatte, die mich abstieß.

 

Doch all diese Eigenschaften, die Probleme, Diskussionen, und Gedankengänge wirkten so echt und aus dem Leben gegriffen, dass ich der Geschichte glaubte, was die rüstigen Dorfbewohner mit ihrem liebenswerten Argwohn gegenüber Fremden und den Lästereien untereinander zu vollendeten wussten. Petra Durst-Bennig schuf insgesamt eine Atmosphäre, die über die romantische Vorstellung der Champagne hinausging und tiefer griff, plastisch wirkte, wobei ihre Erzählung stets eine sonderbare Ruhe in sich trug, indem sie einfach dem Leben folgte, ohne den Höhen und Tiefen ein unnötiges Maß an Dramatik angedeihen zu lassen. Diese Ruhe spiegelte sich auch im Schreibstil wieder, welcher nicht nicht ungewöhnlich oder besonders, schlicht hinweg angenehm zu lesen war.

 

Müsste ich meinen Leseeindruck in einem Wort zusammenfassen, wäre es ganz einfach »schön«, was sich spätestens in den prickelnden Beschreibungen vom Geschmack des Champagners und seiner Aromen bestätigt sieht. Trotz einer gewissen Vorhersehbarkeit wird mir das Buch positiv in Erinnerung bleiben und sicherlich noch das ein oder andere Mal den Weg auf meinen Nachttisch finden…

 

Petra Durst-Bennig | Die Champagnerkönigin | Ullstein Verlag | 528 Seiten | Preis: 9,99 € | ISBN 13 9783548286785

 

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