Die Flüsse von London

Nachdem Constable Peter Grant während einer Morduntersuchung in Covent Garden auf einen Geist trifft, verändert sich sein Leben schlagartig. Als Lehrling des letzten Zauberers von England muss er sich fortan nicht nur durch langwierige Lateinlektionen quälen, sondern auch in einer übernatürlichen Mordserie ermitteln und nebenbei die Streitigkeiten von Flussgöttern beilegen…   

 

Das Buch wird mit der Beschreibung »wenn Harry Potter erwachsen geworden wäre« beworben, was (dies sei schon einmal vorweg gesagt) ganz einfach nicht stimmt. Es ist eine eigene, vollkommen andere Welt, die Ben Aaronovitch mit »Die Flüsse von London« erschafft, einem soliden ersten Band einer mehrteiligen Reihe, der mich jedoch nicht vollends zu überzeugen vermochte…

 

Peter ist ein glaubhafter Protagonist, dem ich die Neugier und Ehrfurcht gegenüber der neuen Welt, in die er unverhofft hineingerät, abkaufe. Es macht Spaß, seinen wissenschaftlichen Erklärungsansätzen über die Funktionsweisen von Magie zu folgen, insbesondere dann, wenn Theorie schließlich zu Praxis wird und die Geschichte elegant abrundet. Was mich allerdings stört, mir ob seiner allgemeinen Neugier widersprüchlich und unglaubhaft erscheint, ist die Tatsache, dass Peter wenig Interesse an den Kreaturen der verborgenen Welt bekundet, allem voran an der Haushälterin Molly, welche eindeutige nicht-menschliche Verhaltensweisen an den Tag legt. Ich hätte mir an dieser Stelle eine ausführlichere Weltenbeschreibung als den Hinweis, dass es weit mehr Wesen als Vampire, Zauberer und Geister gäbe, gewünscht.

»Seawoll starrte Lesley finster an, er war eindeutig nicht erfreut. Lesley starrte mich finster an, sie war eindeutig nicht erfreut, dass Seawoll nicht erfreut war. Nightingale wirkte bloß zerstreut« S. 198

Der Schreibstil war durch Peters ironisch-zynische Art weitgehend erfrischend, wies jedoch durch reiseführerähnliche Ortsbeschreibungen durchaus seine Längen auf. Als besonders problematisch empfand ich das wiederkehrende Motiv der wirren Handlungsabläufe. Vor allem in schnelleren Szenen wie etwa bei Verfolgungsjagden musste ich häufig Absätze doppelt lesen, da die sprunghaften Schilderungen oft verschleierten, was genau gerade passierte.

 

Nichtsdestotrotz konnte mich das Buch bei der Stange halten. Es werden interessante und liebenswerte Charaktere eingeführt, die ich gern näher kennenlernen würde. Auch wenn die Auflösung – vielmehr der Twist – und der etwas zu lang geratene Nebenstrang mich nicht ganz überzeugen konnten, ist darum nicht auszuschließen, dass ich zukünftig zu weiteren Teilen der Reihe greifen werde.

 

Ben Aaronovitch | Die Flüsse von London | dtv Verlag | 480 Seiten | Preis: 10,95 € | ISBN 978-3-423-21341-7

 

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