Epikur

»Nur einmal werden wir geboren, ein zweites Mal ist nicht möglich, und wir müssen dann eine ganze Ewigkeit hindurch nicht mehr sein. Trotzdem schiebst du den rechten Augenblick immer wieder hinaus und bist doch nicht einmal Herr über den morgigen Tag. Überm Zaudern schwindet das Leben dahin und so manche sterben, ohne sich im Leben jemals recht Zeit genommen zu haben.« (S.13f)

 

Wenn man einmal von der sprachlichen Gestaltung absieht, könnte diese vor über 2000 Jahren getätigte Aussage heutzutage gut als Kalenderspruch dienen. Allerdings kann man den mahnenden Fingerzeig in diesem Falle nicht so einfach als hohle Phrase abtun, steht doch eine ganze philosophische Denkrichtung dahinter, die der griechische Philosoph Epikur einst begründete. Da ich bisher wenig mit seiner Philosophie in Berührung kam und mich nur dunkel an einen interessanten Ansatz zur Naturerkenntnis erinnern konnte, hat es mich sehr gefreut, dass die neue »Philosophie für unterwegs«-Reihe des Mitteldeutschen Verlages kürzlich neben Nietzsche und Machiavelli mit Epikur eingeleitet wurde. Der Titel der Reihe trifft es tatsächlich auf den Punkt, da sich die 48 Seiten wunderbar in die täglichen Straßenbahnfahrten integrieren ließen…

 

Nach einem kurzen Abriss zum Leben des Philosophen folgen durch viele Zitate bereicherte Abschnitte über die wesentlichen Punkte seiner Philosophie, die schließlich von einem Ausblick in die Gegenwart abgelöst werden. Es war spannend, sich den Gedanken eines Menschen zu stellen, der viele Jahre vor unserer Zeit lebte und den doch so ziemlich das gleiche beschäftigte wie uns heute. So kreisten seine Gedanken schon damals um das All und die »unendlich viele[n] Welten, der unseren ähnlich und solche, die ihr unähnlich sind.« (S.24) Epikur lehrte weiterhin, dass Menschen allein für ihr Leben und Handeln zu verantworten seien, da die Götter keinen Anteil an ihrem Leben nähmen, was angesichts der Brisanz dieses Themas zu seiner Zeit ein (ob nun tatsächlich beabsichtigt, sei dahingestellt) cleverer Kompromiss war, um die Götter nicht direkt zu verleugnen. Besonders interessant erschienen mir seine Aussagen zum Recht und Unrecht, das »es gegenüber all den Lebewesen nicht [gäbe], die unfähig sind, Übereinkünfte zu treffen, dass keines das andere schädigen oder von ihm geschädigt werden soll.« (S.27)

Ja, es sind so einige kontroverse Gedanken dabei, in die die Lektüre von »Epikur« einführt, auf dass der Interessierte sich ermutigt sieht, mehr erfahren zu wollen. Ich bin begeistert vom Konzept des Bändchens und werde mir wohl auch die anderen beiden Hefte der Reihe zulegen, die ja schon allein aufgrund ihrer ansprechenden Umschlaggestaltung zum Sammeln einlädt. Mein einziger Kritikpunkt richtet sich auf die (aufgrund der Knappheit desselben unnötigen) inhaltlichen Wiederholungen des Einleitungstextes, sowie die teilweise ungeschickt verwendete, wild zwischen den Zeitformen umherspringende Sprache dieses Abschnittes. Sätze wie »Seinen Schülern und Anhängern hat er die Furcht vor den Göttern genommen. Er hat sie auch von der Angst vor dem Tod befreit und sie zu einem selbstbestimmten Leben angehalten.« (S.11) erinnerten mich dann doch ein wenig an etwas belesenere Kindersprache, wobei dieser Punkt nicht so hart ins Gewicht fällt, da hier kein Roman, sondern ein Sachbuch vorliegt. Ich verbleibe also positiv gestimmt und empfehle jedem einen Blick ins Buch, dessen Interesse geweckt ist. Greift zu und erfahrt, was Epikur zu Macht und Herrschaft, Tod, Weisheit, Neid, Begierden und vielem mehr dachte, warum man ihn den Philosophen der Freude nennt und was es mit seiner Mahnung vor übermäßigem Liebesgenuss an einen Schüler auf sich hatte…

 

Besten Dank an den Mitteldeutschen Verlag für die Bereitstellung eines Rezensions-exemplars!

 

Florian Russi | Epikur − Der Philosoph der Freude | Mitteldeutscher Verlag | 48 Seiten | 6,00 € | ISBN 978-3-95462-873-5

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