Inspektor Takeda und die Toten von Altona

Der Tokioer Inspektor Ken Takeda ist am Tiefpunkt, als er beschließt, an einem Austauschprogramm mit der Hamburger Mordkommission teilzunehmen. Die Begeisterung seiner neuen Partnerin Claudia Herms hält sich allerdings in Grenzen, sie soll die Babysitterin spielen – ein geschickter Zug ihres verhassten Chefs, um sie aus dem Verkehr ziehen. Doch dann stößt das ungleiche Ermittlerteam auf einen Fall, der weit komplexer sein wird, als es zunächst den Anschein hat und sie in das Fadenkreuz von Neonazis, Linksextremen und Immobilienmogulen führt…

 

Als Japan-Fan war es mir ein Genuss, die geschickt eingeflochtenen kulturellen Aspekte durch Takedas Perspektive aufzusaugen, da dieser sich nicht selten irritiert mit deutschen Verhaltensweisen konfrontiert sieht und Vergleiche zu seiner Heimat zieht. Mit seiner Scharfsinnigkeit, der Vorliebe für Jazz und Kampfsport und so manch liebenswürdiger Marotte gewann er mich schnell für sich. Er, der ruhige, gefasste Japaner bildete einen unterhaltsamen Gegensatz zu der impulsiven Claudia, die mit seiner übertriebenen Höflichkeit und den sonderbaren Verhörmethoden zunächst wenig anzufangen weiß und lieber mit ihren Pflanzen redet.

 

Während Takedas Charakter, obschon klar gezeichnet, wegen seiner Glätte schwer fassbar ist (das Gefühl der Fremdartigkeit traf der Autor hervorragend durch die Beschreibung seiner Wirkung auf andere wie auch Takedas Perspektive selbst), diente vorwiegend Claudia als Identifikationsfigur, auch wenn ich sie in ihrer blinden Sturheit manchmal einfach nur schütteln wollte.

Neben dem Fall kommen die privaten Probleme nicht zu kurz, leider beziehen sich diese vornehmlich auf ihrer beider Liebesleben. Familiäre Konflikte werden zwar angedeutet, im Falle Takedas auch etwas ausführlicher gestreift, dennoch hätte ich mir von dieser Seite etwas mehr erhofft. Da es sich bei dem Buch jedoch um den ersten Teil einer Reihe handelt, ist davon auszugehen, dass diese Themen in den kommenden Bänden mehr Erwähnung finden.

 

Ein grundsätzlicher Punkt, den ich an der Geschichte sehr zu schätzen wusste, war die Menschlichkeit ihrer Charaktere. Wir haben hier keinen Sherlock Holmes, der aus den abstrusesten Details die Lösung folgert und keinen verrückten Psychopathen als Ober-Bösewicht. Die Figuren und ihre Erlebnisse wirken echt – letztere insbesondere durch den Schauplatz Hamburg und die Einbindung bekannter (deutscher) Milieuprobleme.

Dieses Gefühl von Realität wird vor allem ab der zweiten Hälfte hin und wieder durchbrochen, indem den Ermittlern wichtige Hinweise praktisch in die Arme fallen, was in Krimis sicher nicht selten der Fall ist, mich jedoch etwas frustrierte. Der dramatische Showdown, der für meinen Geschmack etwas zu überspitzt und dadurch schrecklich konstruiert daherkam, half hier nicht, was jedoch nichts an meiner grundsätzlichen Zufriedenheit gegenüber der Auflösung selbst ändert. Denn auch wenn ich mich im auf dem Weg zum Finale von der Realität verabschieden musste, so verfolgte ich die Geschehnisse doch überaus gespannt.

 

Mein Fazit lautet also: Kann man mal machen. »Inspektor Takeda und die Toten von Altona« ist ein solider Reihenauftakt, der mich neben dem sympathischen Ermittlerduo und ihrem kleinen Clash of Cultures vor allem durch seine »Alltäglichkeit« überzeugte. Wobei ich mir jedoch wegen der hin und wieder auftretenden Längen nicht sicher bin, ob die Geschichte mich in Buchform und damit ohne den wunderbaren Sprecher Denis Moschitto bei der Stange gehalten hätte. Hier mag allerdings meine fehlende Passion für Krimis mit reinspielen.

 

Henrik Siebold | Inspektor Takeda und die Toten von Altona| Aufbau Verlag | 416 Seiten | Preis:  9,99€  | ISBN: 978-3-7466-3213-1

Kommentare

  1. Witzig, während ich diese Rezension las, dachte ich exakt das, was als Fazit am Ende kam, nämlich „kann man mal machen“, sprich, kann man ja mal lesen. Danke, das teste ich an
    Schöne Pfingsten 🙋

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