From Romane

Das Wasser am Hals

»DAS WASSER AM HALS steht dort in Majuskeln, und darunter Ein Protokoll und der Name der Verfasserin, neben den sie – ungewöhnlich genug – ihre Berufsbezeichnung gesetzt hat: Automateneinrichterin.« S.9 Als Karl-Georg Ammer, seit kurzem Lektor eines bekannten Verlages, vor einigen Wochen von seinem Chef beauftragt wurde, ein unverlangt eingesendetes Manuskript zu begutachten, über das…

Lanny

»Was meinst du, was geduldiger ist, eine Idee oder eine Hoffnung?« S.48 Nachdem Max Porters Debut »Trauer ist das Ding mit Federn« mich im vergangenen Jahr durch seine ingeniöse Andersartigkeit vollkommen überrumpelte und prompt zu einem Jahreshighlight avancierte, scharrte ich fortan ungeduldig mit den Füßen in der Hoffnung auf mehr. Stellt euch nun meinen Freudenschrei…

Das pathologische Leiden der Bella Jolie

Der Titel erinnerte mich an »Die gepflegten Neurosen der Mademoiselle Claire« von Sophie Bassignac, einen Roman, den ich vor einigen Jahren als Mängelexemplar erwarb und dessen ruhige, in sich gekehrte Geschichte und betäubte Stimmung bis heute eine sonderbare Faszination auf mich ausüben. Natürlich kann man von einer Titelverwandtschaft schwerlich auf eine ähnliche Wirkung schließen, zumal…

Gehen

Heute vor 30 Jahren starb einer der bedeutendsten Literaten des vergangenen Jahrhunderts und zugleich eine der polarisierensten Persönlichkeiten Österreichs: Thomas Bernhard. Meiner tiefen Verehrung ihm und seinem Gesamtwerk gegenüber wegen kann ich nicht umhin, euch aus gegebenem Anlass kurz eines meiner liebsten Bücher vorzustellen. »Auch Karrer ist es nicht geglückt, was noch keinem Menschen geglückt…

Metrofolklore

»Neid macht hässlich, egal wie eng die Bluse anliegt.« S.83 Gelangweilte und notgeile Archäologiestudentin wirbt um göttliche Erscheinung namens Helene, die nicht nur kein Interesse an Frauen zeigt, sondern auch noch was mit dem Dekan des Instituts am Laufen hat. Ein Eroberungs-Plan muss her: Was liegt näher, als sich mit Hilfe von Ovid an die…

Der Kirschbaum meines Feindes

Dieses Buch entdeckte ich vor einigen Monaten in einer Bahnhofsbuchhandlung und nahm es spontan mit. Das geschieht wahrlich nicht oft, vielleicht zweimal im Jahr (Antiquariatsbesuche einmal ausgenommen), da ich mir des Geldes wegen gern vor Kauf einen Überblick über die Rezeption eines Titels verschaffe. In diesem Fall verzichtete ich darauf, weil der Klappentext sofort überzeugte.…

Lockwood & Co.

Nachdem ich zuletzt mit Walter Moers feststellte, dass meine aktuelle Lesestimmung nach Fantasy verlangt, erlag ich in der vergangenen Woche einer Sucht. Die Verwendung dieses Begriffes mag zunächst etwas übertrieben erscheinen, doch ich fühlte unleugbar einen gewissen Sog, der mich ruhelos und unleidlich zurückließ, wenn ich dann doch mal in der Uni zu erscheinen oder…

Die Stadt der Träumenden Bücher

»In der Tür des Hauses […] lehnte eine Haifischmade. Ich hatte schon ein paar Vertreter dieser Daseinsform in Buchhaim gesehen, aber das hier war ein besonders beeindruckendes Exemplar. Der Madenkörper wirkte grotesk, mit seinen vierzehn dürren Ärmchen und dem halslosen Kopf mit Haifischgebiß. Die Kuriosität der Erscheinung wurde auch nicht durch die Tatsache gemildert, daß…

Über meine Weihnachtslektüre und bibliophile Adventskalender

Na was ist denn hier los? Gleich zwei (ZWEI!) Blogbeiträge in einer Woche? Jetzt dreht sie völlig am Rad. Doch keine Angst, meine Leseflaute hege und pflege, kraule und füttre ich auch weiterhin. Die Schuld für diese unrühmliche Situation ist keinesfalls bei mir zu suchen, nein. Es war die Heimtücke des Dezembers, der sich diabolisch…

Wovon wir träumten

»Am Anfang wunderten wir uns ununterbrochen über sie. Warum bestiegen sie ihre Pferde von links und nicht von rechts? Wie konnten sie sich gegenseitig auseinanderhalten? Warum schrien sie immer? Konnte es wahr sein, dass sie Geschirr an ihre Wände hängten und keine Bilder? Und an allen Türen Schlösser hatten? Und ihre Schuhe im Haus nicht…